Verfasst von: iza1988 | September 5, 2007

der deutsche herbst 2007

heute jährt sich zum 30sten mal die entführung des ss-mannes hanns- martin schleyer und damit die ereignisse des deutschen herbstes (fürchterliche bezeichnung) 1977. fast jedes medium möchte in diesen tagen am ereignis verdienen und bringt jede menge meist sinnloser geschichten mit jeder menge längst bekannter fakten. der spiegel beginnt am montag zum beispiel mit einer siebenteiligen serie zur geschichte der raf und die ard startet fast synchron am sonntag mit einem dreiteiler von stefan aust et altera. jeweils 90 minuten, in denen vermutlich wieder peter jürgen boock seine märchen erzählen darf.

heute um 20.15h erwartet uns noch auf phoenix der unvermeidbare guido knopp bzw. dessen redaktion, die schon gestern im bekannten stil im zdf über mogadischu berichten durften. parallel hierzu zeigt arte aber einen film über den anschlag auf die wiener opec-konferenz von 1975, bei dem elf erdölminister und ihre mitarbeiter als geiseln genommen wurden. die doku ist als investigativ angekündigt, was für deutsche journalisten ja ein eher unbekanntes terrain ist. offenbar wird hier vor allem nach den hintermännern der wiener ereignisse gefragt, was die sache interessant machen würde. klingt jedenfalls sehenswert.

die ganzen erkenntnisse zum thema raf werden aber auch bei diesem jubiläum keinen erkenntnisgewinn bringen. sehr ehrlich ist in dieser hinsicht das zur feier des tages wieder neu aufgelegte buch von butz peters, der in seiner fleißarbeit lediglich ohnehin bekanntes zusammenträgt und erst gar keinen weitergehenden anspruch erhebt. aust und konsorten werden hingegen wieder peter jürgen boock an den lippen kleben, der sich so langsam selbst wundern dürfte, nach all seinen lügen immer noch gehör zu finden.

die meisten anschläge sind jedenfalls weiterhin unaufgeklärt und daran wird sich auch nichts ändern, so lange die omerta innerhalb der alten raf eingehalten wird. die ermittler hatten die ganzen jahre über keinen tieferen einblick in die linksterroristische szene und wenn durch das blinde huhn dann doch mal ein korn gefunden wurde, endete es in einem desaster wie bad kleinen. trotzdem fahndet das bka – wie auf seiner seite zu lesen – ist weiterhin nach mitgliedern der dritten generation , aber nach all den peinlichkeiten würde man den fleißigen beamten fast wünschen, endlich durch schließung der akten von ihrem schicksal erlöst zu werden.

wenn man nun die „erfolge“ im kampf gegen den linksterrorismus betrachtet, sieht man erstens nicht viele und zweitens muss man sich fragen, ob dieselben staatsdiener ähnlich dilletantisch im aktuellen bereich des islamistischen terrorismus vorgehen. die antwort kennen wir alle…

la lucha sigue!

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Responses

  1. An sich ist das Thema RAF ja echt interessant und auch wichtig für die Vergangenheit der jungen Bundesrepublik, aber die Berichterstattung darüber ist ermüdend, irgendwie ist es nämlich immer wieder dasselbe.

    Abgesehen davon: Hast du gar keine Angst, dass das BKA auf deine Seite aufmerksam wird, wenn du das Symbol einer verbotenen Vereinigung hier reinstellst? 😉

  2. keine angst, konna. nach all den jahren im untergrund bin ich darin geübt, rechtzeitig abzutauchen. zumindest das bka hab ich im griff 😉

    finde aber auch, dass die irgendwie immer dasselbe über die raf bringen. meist reduziert auf die ereignisse im september 77, obwohl das davor und danach fast noch interessanter ist. ich muss wohl selbst ein buch über das thema schreiben. falls ich noch mal aus der illegalität rauskomme 😉

  3. Gut, dann muss ich mir ja keine Sorgen um dich machen 😉
    Solltest du tatsächlich so ein Buch verfassen, ich möchte eine handsignierte Ausgabe haben. Würde das jedenfalls mit Genuss lesen, denke ich, wenn du da mit dem gleichen Stil schreibst wie hier im Blog.
    Oder wir müssen ne Gemeinschaftsarbeit draus machen. 😀
    Hauptsache, es kommt mal was neues zum Thema! 🙂

  4. Manchmal frag ich mich, wie lange ich mich noch unbesorgt mit dir in der Öffentlichkei zeigen kann 🙂

  5. Ist schon echt krank was da abläuft.

    Interessantes Resume zum „Jahrestag“:
    http://www.netzeitung.de/medien/altpapier/736751.html

  6. Ist schon echt krank was da abläuft.
    Interessantes Resume zum „Jahrestag“:
    http://www.netzeitung.de/medien/altpapier/736751.html

  7. @Lars: bist erst jetzt zu sehen, weil die software dich automatisch unter spam ablegt. keine ahnung warum. hab dich eben erst entdeckt und befreit 🙂
    sehr interessanter link. hab mich auch gefragt, was diese ard-doku eigentlich sollte. war in erster linie werbung für stefan austs baader-meinhof-komplex, dann für den spiegel und erst am schluss öffentlich-rechtlich, obwohl von denen ja das geld kam. fand das mehr als schwach und in großen teilen entsprach der zweiteiler den beiden spiegelgeschichten von dieser woche und nächstem montag.


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